Google Glass zum ersten Mal selber ausprobiert

Gestern abend hat Milos Radovic im Internet-Briefing über Google Glass und Oculus VR (die Firma, die kürzlich von Facebook für 2 Mia. USD gekauft wurde).

Eine Teilnehmerin hat mich um meine Meinung gefragt, ob aus Google Glass und Oculus was werden könnte. Ja, auf jeden Fall, und das werde ich unten begründen. Zu Oculus werde ich einen eigenen Blogbeitrag demnächst posten.

Google Glass

Bei Google Glass oder auf deutsch die Google Datenbrille geht es vor allem um zwei Funktionen:

  1. Es ist eine andere Form eines Android-Smartphones.
  2. Es geht hier v.a. auch um Augmented Reality.

Google Glass ist letztlich nichts anderes, als ein anders verpacktes Androidgerät. Die Funktionen, die bei Google Glass Sinn machen:

  • Bilder und Videos aufzeichnen, z.B. bei einem Konzert geht das einfacher als mit einem Smartphone oder Tablet, das man in die Höhe halten muss.
  • Navigation: Im Strassenverkehr noch etwas gefährlich, aber als Fussgänger auf der Strasse in der Stadt macht das durchaus Sinn.
  • Stadtführung 2020: Man geht mit der Google Datenbrille durch eine Stadt und sieht plötzlich eine Gebäude, worüber man mehr erfahren möchte. Man fragt einfach, was das für ein Gebäude sei. Die Datenbrille gibt Auskunft (ein Lautsprecher ist im Bügel der Brille integriert) und man kann selber noch mehr Details anfordern, oder einfach Stop sagen, wenn man genug gehört hat.
  • Sprachübersetzung: Mit meinem neusten Samsung Galaxy Note 8.0 kann ich in Google Translate irgend einen Satz sprechen, der erkannt und übersetzt wird und gleich in Sprache ausgegeben wird. Ist für mich ganz praktisch, denn bald gehe ich an die Fussball-WM in Brasilien und kann so meine Portugiesisch-Kenntnisse auffrischen. Mit Google Glass ginge das noch einfacher. Ich befinde mich an einer Reception eines Hotels und frage etwas in meiner Muttersprache und es wird gleich übersetzt.
  • Grundsätzlich sind alle Anwendungen mit Augmented Reality (AR) sinnvoll.

Ist die Datenbrille das Interface der Zukunft?

Da bin ich mir nicht sicher. Die ersten Autos haben auch ausgesehen wie Pferdekutschen, weil sich der Mensch immer an dem anlehnt, was er kennt. Ich denke, das Konzept wird eher in alltägliche Dinge Einzug halten:

  • In der Frontscheibe eines Autos könnte ein Stück Scheibe mit der Funktionalität der Datenbrille integriert sein. Dies könnte dann zum Infocenter im Auto werden und löst die klobigen heutigen Navis ab.
  • Der Kühlschrank könnte dann wirklich „intelligent“ werden, das wovon man ja schon seit Jahren spricht. Oder Google Glass im Kühlschrank integriert wird zum Infocenter in der Küche, wo man Kochrezept suchen kann, die dann multimedial über ein YouTube-Video widergegeben werden können.
  • Im Stubenfenster ist ein Bereich mit Google Glass ausgestattet. Das ist wiederum das Infocenter für Wetterbericht, aktuelle Events und Ausflugstipps. Stellen Sie sich das einfach im Hotelzimmer vor, dort macht es noch mehr Sinn als zu Hause.

Die Datenbrille in einer Linse integriert?

Vielleicht wird diese Funktionalität auch einmal in einer Linse integriert sein. Ich habe vor über einem Jahr im linken Auge den grauen Star operieren lassen. Vielleicht gibt es diese Möglichkeit auch einmal in der Zukunft. Dann hätte man den Bildschirm immer dabei. Das wäre dann das Internet, bei dem man ständig on ist, sozusagen ein Bestandteil des Internets.

Hat Google Glass Potenzial für die Zukunft?

Ein ganz klares JA auf die Frage der Kollegin, ob daraus etwas werden wird.

Nur wird es sich anders entwickeln, als man es sich vorstellen könnte. Als die Personal Computer aufkamen, stellten die Leute ähnliche Fragen. Man glaubte, mit einem PC könne man den Weinkeller zu Hause verwalten. Nun, heute wissen wir, dass das nicht die Anwendung war, denn kaum jemand wird seinen Weinkeller damit verwalten. Aber wir machen mit dem PC und Mac tausend andere Dinge, die wir uns nicht hätten vorstellen können.

 

Jörg Eugster mit Google Glass April 2014

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