Tokenisierung eines Picassos

Tokenisierung eines Picassos

Liebe Leser:innen

Immer wieder stösst man in Medienberichten auf neue Begriffe. Viele Leute hinterfragen diese oftmals nicht oder sicherlich zuwenig. Dabei haben wir heute dank dem Internet einen raschen Zugang zur Bedeutung derselben. Heute möchte ich zwei dieser eher neueren Begriffe vorstellen:

Dekarbonisierung und Tokenisierung 

Die beiden Begriffe haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Kannst du ohne Nachschlagen die beiden Begriffe erklären? Vermutlich nur teilweise. Die Frage sei daher erlaubt, weil ich als Dozent früher immer wieder feststellte, dass die Leute oft einen Begriff gefühlte tausend Mal gehört haben, aber diesen nicht wirklich erklären konnten.

Du solltest beide Begriffe kennen, denn sie werden künftig noch viel häufiger genannt werden. Genau hier hapert es oft, denn die Leute meinen, sie hätten etwas verstanden, nur weil sie einen Begriff oft genug gehört haben. Einen Begriff hast du aber erst dann wirklich verstanden, wenn du ihn deiner Grossmutter erklären kannst und sie ihn auch versteht. 

Nun zu den beiden Begriffen:

1)

Gemäss Wikipedia bezeichnet die Dekarbonisierung oder auch Entkarbonisierung die Umstellung einer Wirtschaftsweise, speziell der Energiewirtschaft, in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff. Es geht um die Bekämpfung des Klimawandels durch Verringerung der schädlichen Abgase, die aus dem Kohlenstoff entstehen. Da ich weder Energie- noch Nachhaltigkeitsexperte bin, wende ich mich in diesem Newsletter dem zweiten Begriff zu, nämlich der Tokenisierung, den ich meiner Grossmutter erklären könnte, wenn sie noch lebte.

2)

Im ersten Beitrag weiter unten erkläre ich anhand eines leicht verständlichen Praxisbeispiels was Tokenisierung bedeutet, und wie man daran teilnehmen kann. Jeder, der an neuen Beteiligungsmöglichkeiten interessiert ist, sollte diesen Beitrag lesen.

3)

Des Weiteren habe ich zwei weitere Artikel aus meiner Kolumne “Kurzgeschichten aus dem Jahr 2050” verlinkt. Es geht beim einen Beitrag um E-Health und beim anderen um eine unerschöpfliche Energiequelle.

Viel Spass beim Lesen.

 

Mit türkisfarbenen Grüssen

Jörg Eugster

Was bedeutet Tokenisierung?

Tokenisierung anhand eines praktischen Beispiels erklärt

Ich wurde kürzlich von der Sygnum-Bank zu einer Veranstaltung in Zürich eingeladen. Die Sygnum-Bank ist eine reine Kryptobank, die von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) kontrolliert wird. Sie und die SEBA-Bank in Zug sind die beiden einzigen Kryptobanken weltweit, die eine Banklizenz besitzen. Sygnums Hauptsitz ist in Zürich und Singapur.

An der Veranstaltung bin ich Zeuge eines neuartigen Prozesses, der Tokenisierung, geworden. Sygnum hat zusammen mit seinem Partner Artemundi ein Bild von Picasso in Token aufgeteilt und ist dabei, Anteile in Form von Token zu verkaufen. Wenn wir Anteile an einer Firma kaufen möchten, kaufen wir Aktien. Wenn wir künftig Anteile an Kunstgegenständen oder anderen Vermögenswerten kaufen möchten, kaufen wir Token.

Das Besondere daran ist, dass man nicht einen ganzen Picasso kaufen muss. Wer kann sich ein solchen schon leisten? Picassos Gemälde “Fillette au béret” ist über 4 Mio. CHF wert. Sygnum hat diesen nun tokenisiert und in 4’000 Token aufgeteilt. Seit kurzem bin ich also Mitinhaber des Picasso-Gemäldes, obwohl ich mir aus Kunst nichts mache. Es ging mir mehr darum, den Prozess der Tokenisierung einmal selber erlebt zu haben.

Gemälde von Picasso: Fillette au béret (Bild: Jörg Eugster)

Wer sich an diesem Kunstgegenstand beteiligen möchte, muss Kunde von Sygnum sein. Erst dann kann man die erforderlichen Token kaufen. Das Minimum sind 5 Token, für die man 5’445.70 in DCHF zahlen. DCHF ist ein sogenannter Stablecoin, der genau gleich viel wert ist, wie ein “normaler” Schweizer Franken. Der Unterschied ist, dass der Stablecoin DCHF eine Kryptowährung ist und die Transaktionen auf einer Blockchain festgeschrieben ist. Zuerst musste ich meine herkömmlichen CHF in DCHF tauschen, damit ich 5 Token für meine Beteiligung des Kunstgegenstandes kaufen konnte. Sygnum nennt den Token AST, was für „Art Security Token“ steht. Ein Security Token ist ein Beteiligungs- oder Asset-Token, ähnlich einem Beteiligungspapier auf Basis eines Tokens.

Nach einem Jahr kann man die Token auf Sygnum auf einem Marktplatz zum Verkauf anbieten oder weitere dazu kaufen. Nach acht Jahren ist der maximale Investitionszeitraum erreicht und das Bild wird verkauft. Alle Miteigentümer hoffen natürlich, dass der Wert des Bildes in dieser Zeit steigt und man einen Gewinn für sein Investment erhält. => Investment Summary Sygnum Picasso.

Dieser Prozess wurde auch in der Handelszeitung beschrieben. => Bericht in der Handelszeitung vom 30. September 2021.

 

Tipp:

Kannst du Begriffe wie Blockchain, Kryptowährung, Security Token, Stablecoin oder Altcoin deiner Grossmutter erklären? Wenn nicht, dann empfehle ich dir meinen Vortrag “Was sind Kryptowährungen wirklich?”, den ich auf vielseitigen Wunsch aufgezeichnet habe. Dort erkläre ich viele Begriffe, die künftig schon bald zum Allgemeinwissen gehören werden. Wetten?

Zwei neue Kurzgeschichten aus dem Jahr 2050

Ich bekomme ab und zu Feedbacks zu meinen Kurzgeschichten, wie, das kommt früher als 2050 oder ist doch schon da etc. Wenn ich über das Jahr 2050 schreibe, dann heisst das nicht, dass etwas erst dann kommt. Es kann auch schon 20 Jahre früher da sein und es entwickelt sich.

Auch das Telefon hat eine bisher über 130-jährige Entwicklung hinter und wohl noch eine Jahre vor sich. Nach der Revolution kommt immer die Evolution.

Im Pflegebereich wird es schon bald Pflegeroboter geben. Die heutigen können bereits Wasser verteilen, Wäsche holen und mit den Bewohner:innen Lieder singen. Doch wann werden sie so gut sein, dass man sie nicht mehr von einem Menschen unterscheiden kann? Wird das je möglich sein? Muss es so sein? Wir werden sehen.

Die Revolution ist heute, doch wird die Evolution viele Jahre dauern.

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4 Comments

  • Walter on Oktober 4, 2021

    Interessant!

    Wie läuft das steuerlich?

    Bei Aktien bestimmt das Steueramt den Steuerwert per Ende Jahr und man kann ihn via Online-Steuererklärung direkt abrufen. Bei Token wird es auch so eine Bewertung geben, nehme ich an? Deren Wert publizieren Krypto-Banken in Zusammenarbeit mit dem Steueramt?

    • Jörg Eugster on Oktober 5, 2021

      Nun eigentlich wie bei jedem Wertgegenstand. Per 31.12. muss der Wert ermittelt werden. Bei Kunstgegenständen vermutlich nicht einfach. Hier erwarte ich von der Sygnum Bank einen Beleg, den ich für die Steuererklärung nutzen kann. Ich halte es bei allen Kryptowährungen gleich. Ich habe ein Excelsheet mit allen Kryptos, auf dem ich die Werte per 31.12. ermittle und dann dem Wertschriftenverzeichnis beilege. Das schon seit Jahren. Hat immer funktioniert. Mehr per Telefon. Ruf mich doch mal an?

      • Walter on Oktober 8, 2021

        Aha, macht Sinn, danke.

        Kennst Du https://www.accointing.com/ ? Wenn ich richtig verstehe, kannst Du dort die von Dir benutzten Kryptobörsen oder Wallets anhängen und sie unterstützen Dich mit der Erstellung der Steuerunterlagen. Schweizer Banken wie Swissquote oder Yuh scheinen aber noch nicht verfügbar zu sein.

        • Jörg Eugster on Oktober 19, 2021

          Danke für deinen Kommentar. Für mich ist eine Google Tabelle einfacher im Handling und den Steuerbehörden genügt es.

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